Stufe 0 — Wie Daten zusammenhängen

Datenstrukturen verstehen · Ohne SQL, ohne Fachjargon

Datengrundlagen
🎯 Ziel dieser Stufe: Sie verstehen, wie Geschäftsdaten strukturiert und miteinander verknüpft werden — die Grundlage für jede UDM-App.

Das Problem: Warum nicht einfach Excel?

Viele Unternehmen verwalten ihre Daten in Excel-Tabellen. Das funktioniert bei kleinen Datenmengen, führt aber schnell zu Problemen:

Stellen Sie sich vor: Sie haben eine Excel-Liste mit Aufträgen. Bei jedem Auftrag steht der vollständige Kundenname und die Adresse. Jetzt zieht ein Kunde um. Sie müssen die Adresse in jedem einzelnen Auftrag ändern — bei 50 Aufträgen tippen Sie 50 Mal. Und hoffen, dass Sie keinen übersehen.
❌ So nicht: Alles in einer Tabelle
AuftragKundeAdresseBetrag
A-001Müller GmbHHauptstr. 5, Berlin1.200 €
A-002Müller GmbHHauptstr. 5, Berlin3.500 €
A-003Müller GmbHHauptstr. 5, Berlin800 €
A-004Schmidt AGParkweg 12, München2.100 €

Die Adresse der Müller GmbH steht 3x — bei Adressänderung müssen alle geändert werden!

✅ Besser: Aufteilen und verknüpfen
Nr.KundennameAdresse
K-01Müller GmbHHauptstr. 5, Berlin
K-02Schmidt AGParkweg 12, München
AuftragKundeBetrag
A-001→ K-011.200 €
A-002→ K-013.500 €
A-003→ K-01800 €

Adresse steht nur 1x — Änderung an einer Stelle reicht!

Das Prinzip heißt: Daten aufteilen und verknüpfen. Jede Information wird nur einmal gespeichert. Statt Kundendaten in jedem Auftrag zu wiederholen, verweist der Auftrag auf den Kunden — über eine Nummer.

Die Lösung: Karteikästen statt Excel-Chaos

Denken Sie an Karteikästen: Früher hatte jede Abteilung Karteikästen — einen für Kunden, einen für Aufträge, einen für Rechnungen. Jede Karteikarte hatte ein festes Format mit Feldern. UDM funktioniert genauso — nur digital.
   KARTEIKASTEN "Kunden"              KARTEIKASTEN "Aufträge"
   ________________________           ________________________
  |                        |         |                        |
  |  Nr.:    K-0042        |         |  Nr.:    A-2026-0015   |
  |  ____________________  |         |  ____________________  |
  |                        |         |                        |
  |  Firma:  Müller GmbH   |    .----|  Kunde:  K-0042  -------.
  |  Name:   Hans Müller   |    |    |  ____________________  |
  |  E-Mail: hm@mueller.de |    |    |                        |
  |  Tel.:   030-12345     |    |    |  Bezeichnung: Server   |
  |  Ort:    Berlin        |    |    |  Status:   In Bearb.   |
  |  Str.:   Hauptstr. 5   |    |    |  Fällig:   15.04.2026  |
  |________________________|    |    |  Betrag:   4.500 EUR   |
                                |    |________________________|
                                |
    "Der Auftrag VERWEIST       |       VERWEIS = Der Auftrag
     auf Kundenkarte K-0042" ---'       schaut in den Kunden-
                                        kasten nach

Zwei Karteikästen mit einem Verweis: Der Auftrag „kennt“ seinen Kunden über die Kundennummer.

Das ist die Grundidee: Getrennte Karteikästen für verschiedene Dinge (Kunden, Aufträge, Produkte), die über Verweise miteinander verbunden sind.

Die wichtigsten Begriffe — einfach erklärt

In UDM und in der Datenwelt gibt es einige Grundbegriffe. Hier sind sie mit Alltagsvergleichen erklärt:

Begriff Was es ist Alltagsvergleich
Tabelle Eine Sammlung gleichartiger Daten Ein Karteikasten (z. B. „Kunden“)
Datensatz Ein einzelner Eintrag in einer Tabelle Eine einzelne Karteikarte
Feld / Spalte Eine bestimmte Information innerhalb eines Datensatzes Eine Beschriftung auf der Karteikarte (z. B. „Firmenname“)
Verweis (Beziehung) Eine Verknüpfung zwischen zwei Tabellen „Siehe Karteikarte Nr. 42 im Kundenkasten“
Eindeutige Nummer (ID) Eine Kennung, die jeden Datensatz einzigartig macht Die Personalnummer — keine zwei Personen haben dieselbe
In UDM heißen diese Dinge: Tabelle = Entity (Datenobjekt), Feld = Property (Eigenschaft), Verweis = FK-Beziehung (Fremdschlüssel). Sie müssen diese Fachbegriffe nicht auswendig lernen — in den nächsten Stufen verwenden wir sie an den passenden Stellen.

Beziehungen: „Wer gehört zu wem?“

Die wichtigste Art von Verknüpfung in Geschäftsdaten ist die 1-zu-viele-Beziehung (kurz: 1:n). Das bedeutet:

Ein Ordner, viele Dokumente: Ein Kunde kann viele Aufträge haben — aber jeder Auftrag gehört zu genau einem Kunden. Wie ein Ordner, der mehrere Dokumente enthält, aber jedes Dokument liegt in genau einem Ordner.
   +-----------------+          +------------------+
   |                 |          |                  |
   |     KUNDEN      |          |    AUFTRÄGE      |
   |                 |          |                  |
   |  K-0042         |<---------|  Kunde: K-0042   |  Auftrag A-001
   |  Müller GmbH    |<---------|  Kunde: K-0042   |  Auftrag A-002
   |                 |<---------|  Kunde: K-0042   |  Auftrag A-003
   |                 |          |                  |
   +-----------------+          +------------------+

          1           :          viele

   "Ein Kunde kann mehrere Aufträge haben."
   "Jeder Auftrag gehört zu genau einem Kunden."

1-zu-viele-Beziehung: Ein Kunde, mehrere Aufträge.

Warum ist das wichtig? Weil Sie in UDM später genau solche Fragen stellen werden:

Das funktioniert nur, wenn die Beziehung zwischen Kunden und Aufträgen sauber eingerichtet ist.

Beziehungen können auch über mehrere Stufen gehen

In unserem Beispiel kommen später noch Auftragspositionen dazu. Dann entsteht eine Kette:

   KUNDEN            AUFTRÄGE           POSITIONEN
   +-----------+     +-----------+      +-----------+
   | Müller    |<----| Auftrag 1 |<-----| Pos. 1    |
   | GmbH      |     |           |<-----| Pos. 2    |
   |           |     |           |<-----| Pos. 3    |
   +-----------+     +-----------+      +-----------+
                     +-----------+      +-----------+
                     | Auftrag 2 |<-----| Pos. 1    |
                     |           |<-----| Pos. 2    |
                     +-----------+      +-----------+

   "Ein Kunde hat viele Aufträge.
    Ein Auftrag hat viele Positionen."

Verkettete Beziehungen: Kunde → Aufträge → Positionen.

Datentypen: „Was darf in dieses Feld?“

Jedes Feld auf einer Karteikarte hat einen bestimmten Typ — es legt fest, welche Art von Information dort hineinpasst. Das kennen Sie aus dem Alltag: In ein Datumsfeld schreiben Sie kein Wort, und in ein Namensfeld keine Zahl.

Datentyp Was hineinpasst Beispielfelder
Text Buchstaben, Zahlen, Sonderzeichen — beliebige Eingabe Firmenname, E-Mail, Straße, Beschreibung
Zahl Ganze Zahlen oder Dezimalzahlen Menge, Einzelpreis, Gesamtbetrag
Datum Ein Kalenderdatum, optional mit Uhrzeit Erstellt am, Fällig am, Geburtstag
Ja/Nein Nur zwei Zustände: an oder aus Aktiv?, Bezahlt?, Freigegeben?
Auswahlliste Ein Wert aus einer vordefinierten Liste Status (Offen / In Bearbeitung / Erledigt), Priorität (Niedrig / Normal / Hoch)
Verweis Zeigt auf einen Datensatz in einer anderen Tabelle „Welcher Kunde?“, „Welcher Auftrag?“
Warum sind Datentypen wichtig? Wenn ein Feld als „Datum“ definiert ist, kann UDM automatisch einen Kalender zum Auswählen anzeigen. Bei „Auswahlliste“ erscheint ein Dropdown-Menü. Der Datentyp bestimmt also nicht nur, was gespeichert wird, sondern auch, wie die Eingabe im Formular aussieht.

Unser Datenmodell: Die Basis für das Tutorial

Für unser Beispiel „Auftragsmanagement“ starten wir mit zwei Tabellen. Im Laufe des Tutorials kommen weitere hinzu:

   KUNDEN                              AUFTRÄGE
   ==============================      ==============================
   Kundennr      Text (autom.)         Auftragsnr    Text (autom.)
   Firmenname    Text (Pflicht)        Bezeichnung   Text (Pflicht)
   Ansprechp.    Text                  Status        Auswahlliste
   E-Mail        Text                  Erstellt am   Datum (autom.)
   Telefon       Text                  Fällig am     Datum
   PLZ           Text                  Gesamtbetrag  Zahl
   Ort           Text                  ...............................
   Strasse       Text                  Kunde         Verweis → KUNDEN
                                       Zugewiesen an Text

        1                 :                  viele
        |___________________________________|

   "Ein Kunde kann beliebig viele Aufträge haben."

Das Startmodell für Stufe 1: Kunden und Aufträge mit ihren Feldern.

Dieses Modell wird im Laufe des Tutorials wachsen:

Stufe Neue Tabellen Warum
Stufe 1 Kunden, Aufträge Die Basisdaten unserer App
Stufe 2 Positionen, Status-Historie Detaildaten und Nachverfolgung
Stufe 4 Tickets, Ticket-Kommentare Die zweite App nutzt die gleichen Kunden

Das UDM-Prinzip: Von Daten zur App

Jetzt wissen Sie, wie Daten strukturiert werden. Aber wie wird daraus eine Anwendung? Hier kommt UDM ins Spiel:

   IHRE DATEN              UDM-KONFIGURATION            FERTIGE APP
   ============            =================            ============

   +----------+            +---------------+            +----------+
   | Kunden   |  ------>   | Welche Felder |  ------>   | Kunden-  |
   | Aufträge  |            |   anzeigen?   |            | liste    |
   | Positio- |            |               |            |          |
   | nen      |            | Wer darf was? |            | Auftrags-|
   | ...      |            |               |            | formular |
   +----------+            | Was passiert  |            |          |
                            |   bei Klick?  |            | Dash-    |
   Sie haben               |               |            | board    |
   Datenbanken              | Wie sieht das |            |          |
   mit Tabellen             |   Dashboard   |            | ...      |
                            |   aus?        |            +----------+
                            +---------------+
                                                         Ihre Benutzer
                            Sie konfigurieren             arbeiten mit
                            im Admin Client               der fertigen App

UDM macht aus Ihren Daten eine App — Sie konfigurieren, was angezeigt wird und wer was tun darf.

Das Besondere an UDM: Sie programmieren nicht — Sie konfigurieren. Statt Code zu schreiben, legen Sie im Admin Client fest:

In UDM ist das als 5-Schichten-Modell organisiert:

   .---------------------------------------------------.
   |  SCHICHT 5:  APP                                   |
   |  "Was sieht der Benutzer?"                         |
   |  Menüstruktur, Navigation, Berechtigungen          |
   |---------------------------------------------------|
   |  SCHICHT 4:  ANSICHT & FORMULAR                    |
   |  "Wie werden Daten dargestellt und bearbeitet?"    |
   |  Listen, Charts, Dashboards, Dialoge              |
   |---------------------------------------------------|
   |  SCHICHT 3:  DATENABFRAGE                          |
   |  "Welche Daten sollen angezeigt werden?"           |
   |  Filter, Verknüpfungen, berechnete Felder          |
   |---------------------------------------------------|
   |  SCHICHT 2:  DATENOBJEKT                           |
   |  "Was wird gespeichert?"                           |
   |  Felder, Datentypen, Beziehungen                  |
   |---------------------------------------------------|
   |  SCHICHT 1:  SYSTEMANBINDUNG                       |
   |  "Wo liegen die Daten?"                            |
   |  Datenbankverbindung, Datenbereich                 |
   '---------------------------------------------------'

Die 5 Schichten von UDM — von der Datenbank bis zur fertigen App.

Merkregel: Jede Schicht baut auf der darunter auf. Sie starten immer unten (Systemanbindung) und arbeiten sich nach oben (App). In Stufe 1 werden wir genau diesen Weg gehen.
✅ Kontrollpunkt — Was Sie jetzt wissen:
  • Warum man Daten aufteilt statt alles in eine Tabelle zu packen
  • Was Tabellen, Datensätze, Felder und Verweise sind
  • Wie 1-zu-viele-Beziehungen funktionieren (Kunde → Aufträge)
  • Welche Datentypen es gibt (Text, Zahl, Datum, Ja/Nein, Auswahlliste, Verweis)
  • Wie UDM aus Daten und Konfiguration eine App macht